Als Ferdinand Bischoff 1826 in Olmütz geboren wurde, gehörte die Stadt noch zum Kernland der K&K-Monarchie, heute heißt sie Olomouc und ist die sechstgrößte Stadt Tschechiens. Über die Stationen Wien und Lemberg kam er 1865 in die Steiermark. In beiden Städten hatte er als Jurist gewirkt, und auch nach Graz führte ihn seine juristische Tätigkeit – die Berufung an die Karl Franzens Universität, als Professor für Rechtsgeschichte und Deutsches Privatrecht. Die wertvollsten Spuren hat er jedoch im Musikleben sowohl seiner Geburts- als auch seiner späteren Heimatstadt hinterlassen. Schon in Olmütz (wie auch in Lemberg, wo er an der dortigen Universität unterrichtete) hatte er die Gründung von Musikvereinen angeregt. In Graz gehörte er bereits im Jahr nach seiner Ankunft zu den Gründungsmitgliedern des Sing-Vereins. Zwei Jahre später begann seine Verbindung mit dem Steiermärkischen Musikverein, in dessen Ausschuss er über viele Jahre wirkte. Von 1886-1892 war er dann Präsident dieser nicht nur für das Musikleben der Steiermark so wichtigen Institution. Der überwiegende Teil seiner umfangreichen Bibliothek und Musiksammlung ist heute Teil der Bestände und der Sondersammlung der Universitätsbibliothek der Kunstuniversität.

Doch nicht allein seine Bibliothek und Notensammlung befinden sich in der Universitätsbibliothek, in der Sondersammlung wird ein reiches Konvolut an Briefen von bzw. an Ferdinand Bischoff verwahrt.

In Zeiten, da per Brief zu kommunizieren mehr und mehr zu einem Anachronismus wird und aus der Mode kommt, verliert man leicht aus dem Blick, welch eine wichtige Informationsquelle die Korrespondenz eines Menschen sein kann. Nicht allein wegen des Inhaltes der jeweiligen Briefe die, in diesem Fall, Ferdinand Bischoff schrieb oder empfing, sondern weil sie auch ein Beziehungsgeflecht wiederspiegeln.

An die 100 Briefe von oder an Bischoff befinden sich in der Sondersammlung der Universitätsbibliothek. Und liest man sich die Liste der Sänger und Sängerinnen durch, die er im Folgenden aufzählt, so ist dort wirklich alles vertreten, was im letzten Viertel des 19. und dem ersten des 20. Jahrhunderts Rang und Namen hatte. Dirigenten wie Hermann Levi und Karl Muck, Komponisten wie Wilhelm Kienzl, Richard Heuberger oder das Ehepaar Elisabeth u. Heinrich von Herzogenberg, bedeutende Virtuosen der Zeit, etwa Joseph Joachim und Ferdinand Thieriot, Musikwissenschaftler und -schriftsteller wie Eduard Hanslick und Otto Erich Deutsch. Für diese Ausstellung haben wir einen Brief von Ernst Decsey ausgewählt.

Der 1870 in Hamburg geborene Decsey hatte in Wien Jura und gleichzeitig am Neuen Wiener Konservatorium Musik studiert, unter anderem bei Anton Bruckner, dessen Theorievorlesungen er besuchte. 1899 wurde er Musikreferent der Grazer „Tagespost“ und knapp zehn Jahre später deren Chefredakteur. Decsey war ein Feuilletonist im besten Sinne des Wortes. Bei ihm ging ein profundes musikalisches Wissen einher mit einer schriftstellerischen Begabung, wovon u.a. seine Biographien von Hugo Wolf, Johann Strauß, Claude Debussy und seinem Lehrer Anton Bruckner ein noch heute vielgelesenes Zeugnis ablegen.