Wie Susanne Flesch in ihrem Artikel „Die Ehrenmitglieder des Musikvereins für Steiermark“ ausführt, wurde es bald nach der Gründung des Vereins nötig, sogenannte „Ehrenmitglieder“, später „teilnehmende Ehrenmitglieder“ aufzunehmen, um den engen Kreis der Akademiker, denen der Musikverein ursprünglich vorbehalten war, zu erweitern. Später wurde die Kategorie „auswärtige Ehrenmitglieder“ eingeführt, die, im Gegensatz zu den „teilnehmenden Ehrenmitgliedern“, keine Mitgliedsbeiträge entrichten mussten. Ab dem Jahr 1861 gab es schließlich nur noch „außerordentliche Ehrenmitglieder“, die keiner Zahlungspflicht unterlagen.

Unter den Ehrenmitgliedern finden sich Beamte – aus Monarchie wie Republik – Politiker und Militärs, Bibliothekare und Verleger, Juristen und Theologen und, selbstverständlich, zahlreiche Musiker. Ca. 45 Ehrenmitgliedern aus nichtmusikalischen Bereichen stehen etwa 100 Musiker gegenüber. Die größte Gruppe macht hierbei die der Komponisten aus (29), gefolgt von Sängern (22) und Dirigenten (16) – Pianisten und Streicher liegen, mit 14 bzw. 13, fast gleichauf. Nicht immer lassen sich die Tätigkeitsschwerpunkte klar zuordnen, etwa bei Joseph Mayseder, einem renommierten Geigenvirtuosen und Komponisten, oder Ignaz Franz Moscheles, der als Dirigent, Pianist wie Komponist gleichermaßen hervortrat.

Eduard v. Lannoy, Tobias Haslinger und Karl Böhm repräsentieren die unterschiedlichen Ehrenmitglieder. Einen Komponisten, einen Herausgeber und einen Dirigenten:

Eduard v. Lannoy entstammte einem alten flämischen Adelsgeschlecht. Die Familie zog von Brüssel nach Graz, als er gerade neun Jahre alt war. Lannoy war ein um- und vielseitig gebildeter Mensch. Er studierte in Graz, Brüssel und Paris, u.a. Sprachen, Mathematik, Philosophie und Musik, und lebte abwechselnd in Graz, bei Marburg an der Drau auf Schloß Wildhaus, das die Familie 1806 erworben hatte, sowie in Wien. Dort gehörte er dem Vorstand der Gesellschaft der Musikfreunde an, leitete zeitweise das Konservatorium und die „Concerts spirituels“. Er war jedoch nicht nur ausübender Musiker, sondern – was in jener Zeit oftmals Hand in Hand ging – auch ein äußerst fruchtbarer Komponist. Er hat ein gutes Dutzend Opern, Singspiele und Melodramen komponiert (zwei seiner Opern wurden in Graz uraufgeführt), 4 Symphonien, Konzerte, Kammermusik und zahlreiche Lieder. Zudem verfasste Lannoy eine ganze Reihe musikalisch-ästhetischer Schriften.

Hier ist die Titelseite seines Großen Quintetts für Oboe, Klarinette, Horn, Fagott und Klavier zu sehen. Es ist ein Frühwerk Lannoys, entstanden 1812 und um 1823/24 bei J. André in Offenbach im Druck erschienen. Es blieb, gemeinsam mit dem Streichquintett op. 3 das einzige „groß angelegte“ Kammermusikwerk in seinem Schaffen. Bei Lannoys Grand Quintetto hat zweifelsohne das Quintett op. 16 L.v.Beethovens Pate gestanden, die Übereinstimmungen zeigen sich nicht allein in Tonart und Besetzung. Wie Beethoven gibt auch Lannoy eine Alternativfassung für Streicher und Klavier an. Gewidmet ist das Werk seinem Kompositionsschüler Jeann Vesque von Püttingen. Wie sein Lehrer entstammte Püttinger einer alten flämisch-niederländischen Adelsfamilie; beide waren sie eifrige Sammler musikalischer Autographe, der eine wie der andere hinterließ ein bemerkenswert breitgefächertes Oeuvre, und beide teilen sie die Vergessenheit, der ihr musikalisches Schaffen heute weitestgehend anheimgefallen ist.

Musik zu komponieren ist das eine. Damit sie auch außerhalb des eigenen Wirkungskreises erklingt und weitere Bahnen ziehen kann, bedarf es auch solcher, die sie „unter die Leute bringen“ – der Verleger. Ein nicht nur für das Musikleben Wiens ungemein wichtiger Name ist Haslinger. Der Firmengründer, Tobias Haslinger, wurde 1787 im oberösterreichischen Zell geboren. Als Sängerknabe in Linz erhielt er, bei Domkapellmeister F.X. Glöggl, eine umfangreiche musikalische Ausbildung. Neben seiner Stelle als Domkapellmeister betrieb dieser auch eine eigene Musikhandlung, wo der junge Haslinger dann auch erste Bekanntschaft mit dem Metier des Verlegers machte. Zwischen 1812 und 1814 begann er, eigene Kompositionen im Selbstverlag zu veröffentlichen. Ab 1810 in Wien ansässig, trat er vier Jahre später in den „Verlag der chem. Druckerey und des S.A.Steiner“ ein. 1826 wurde er Alleininhaber der Firma, die nunmehr auch seinen Namen trug. Als Leiter eines Verlagshauses, das an Bedeutung stets wuchs, verkehrte Tobias Haslinger mit zahlreichen Musikern und Komponisten nicht nur geschäftlich sondern auch freundschaftlich – u.a. mit Beethoven. Die erste Gesamtausgabe von dessen Werken wurde von Haslinger begonnen. So liest sich die Liste der bei und von ihm verlegten Komponisten wie ein musikalisches „who is who“ nicht alleine Wiens sondern seiner Zeit: L. Spohr, J.N. Hummel, I. Moscheles, C.M.v. Weber, Mozart, C. Czerny, Muzio Clementi, die Liste ließe sich noch mit etlichen seinerzeit und auch heute noch prominente Namen weiterführen.

1828 erschien bei T. Haslinger unter der Verlagsnummer 5101-5124 ein Zyklus von 24 Liedern, der zu einer Kostbarkeit dieser Gattung werden sollte: F. Schuberts Winterreise.

Der Liederzyklus besteht aus zwei Abteilungen von je 12 Liedern, wie auch die Gedichte von Wilhelm Müller, auf denen sie beruhen, in zwei Abteilungen veröffentlich wurden.

Die im Besitz der Universitätsbibliothek befindliche Erstausgabe umfasst beide Hefte; die im Januar 1828 erschienenen Lieder 1-12 sowie die sechs Wochen nach dem Tod des Komponisten veröffentlichten Lieder 13-24. 

Mit Namen wie Wilhelm Furtwängler, Clemens Krauss, Karl Böhm, Bruno Walter bis hin zu Leonard Bernstein verbinden wir heute fast ausschließlich ihre Tätigkeit als Dirigenten und die Verdienste, die sie sich auf dem Gebiet der Musikinterpretation erworben haben. Dass sie alle auch Musik geschaffen haben, wissen die Wenigsten. Im Falle von W. Furtwängler und L. Bernstein reicht dieses musikalische Schaffen bis hin zu Symphonien und Opern. Etwas weniger umfangreich war die kompositorische Tätigkeit von C. Krauss und K. Böhm. Bei beiden fällt diese Phase auch eher in die Jugendzeit bzw. die frühen Anfängerjahre ihrer Dirigentenlaufbahn.

1894 in Graz geboren – sein Elternhaus steht heute noch in der Kernstockgasse 21 – absolvierte Karl Böhm neben einem Jurastudium eine Musikerausbildung an den Konservatorien in Graz und Wien. Ab 1917 sammelte er erste Erfahrungen als Korrepetitor und Kapellmeister an der Grazer Oper. 10 Jahre später trat er in Darmstadt seine erste Stelle als GMD an. Von dort begann dann sein Weg hin zu einem der bedeutendsten Dirigenten des 20. Jahrhunderts, der sich vor allem im klassischen und romantischen deutschen Repertoire einen Namen gemacht hat.

Neben teils seltenen Drucken von Liedern des jungen Karl Böhm findet sich in den Beständen der Bibliothek der Kunstuniversität auch eine Anzahl an Autographen; u.a. diese Komposition des gerade Siebenjährigen: Ein Weihnachtsgeschenk an seine „lieben Eltern“, wie dem Titelblatt zu entnehmen ist. Der kleinen, keine 40 Takte umfassenden Phantasie für Klavier stellt der junge Böhm das schwergewichtige Motto voran: „Die Seele irrt im Weltennebel, bis sie gefunden was sie sucht“.