1939 wurde das Konservatorium schließlich verstaatlicht und vom Musikverein abgetrennt. Es wurde als „Steirische Landesmusikschule“ in den nationalsozialistischen Aufbauplan des Steirischen Musikschulwerkes einbezogen und sollte hauptsächlich der Ausbildung von BerufsmusikerInnen dienen. 1940 wurde die 1938 eröffnete „Musikschule für Jugend und Volk“ angegliedert. Die Ausbildung von MusiklehrerInnen übernahm die „Staatliche Hochschule für Musikerziehung“ in Graz-Eggenberg ab dem Wintersemester 1939/40, eine der wichtigsten Musikausbildungsstätten im Deutschen Reich mit hochideologischer Funktion. An der Spitze der NS-Kulturpolitik stand Josef Papesch, der gleich nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten am 13. März 1938 Landesrat für Kunst und Kultur wurde.

Papesch schreibt im Geleitwort des ersten Jahresberichtes des Steirischen Musikschulwerkes: „Mit seinen Kreismusikschulen für Jugend und Volk, seiner Landesmusikschule und der mitten im Kriege staatlich anerkannten und feierlich eröffneten Hochschule für Musikerziehung ist das Steirische Musikschulwerk eine echte, rechte Herzensangelegenheit der grünen Grenzmark, so jung und neu es ist.“

 

Der erste Jahresbericht des Steirischen Musikschulwerkes zeigt nicht nur den Aufbau der Landesmusikschule in ihre fünf Abteilungen (Orchesterschule, Instrumentalschule, Gesangschule, Opernschule und Dirigentenschule), sondern gibt auch Aufschluss über wichtige Themen dieser Zeit, wie beispielsweise interne und externe Veranstaltungen und die Zusammenarbeit mit den Musiziergruppen der Hitlerjugend und des BDM. Direktor der Landesmusikschule war Felix Oberborbeck.

Als Quelle zur Staatlichen Hochschule für Musikerziehung, Graz, Schloss Eggenberg befindet sich das Hauptbuch der Jahre 1939 bis 1944 im Universitätsarchiv. Es handelt sich um ein handschriftliches Verzeichnis, in dem über 256 Studierende namentlich genannt sind.

Aus den Bemerkungen im Matrikenbuch geht hervor, dass zahlreiche Studierende 1944 zum Arbeits- oder Kriegseinsatz eingezogen wurden. Da das „Steirische Musikschulwerk“ 1945 zusammenbrach und die Hochschule in Eggenberg bereits 1944 ihre Tore schloss, konnten ausständige Abschlussprüfungen nicht mehr durchgeführt werden.

Die „Staatliche Hochschule für Musikerziehung“ in Eggenberg diente der Ausbildung der Musikerzieher. Sie wurde, wie auch die Landesmusikschule, von Felix Oberborbeck geleitet und bestand aus den Abteilungen: „Institut für Schulmusik“, „Seminar für Musikerzieher“ und „Lehrgang für Jugend- und Volksmusikleiter“. Im ersten Wintersemester des Bestehens der Staatlichen Hochschule für Musikerziehung in Eggenberg 1939/40 wurden 36 Studierende verzeichnet, im Sommersemester waren es bereits 63.

 

Eine der Schülerinnen der Hochschule in Eggenberg war die Linzer Organistin Hedwig Ebermann. In einem Interview mit Roman Summereder für die „Oberösterreich-Kulturzeitschrift“ erzählt sie über ihre Zeit im Graz der 1930er Jahre:

„[…] Als Mädchen war ich beim BDM, mit Feuer und Flamme habe ich in der NS-Spielschar mitgetan. Daß dort nur hohle Phrasen gedroschen wurden – meine Mutter hatte ganz recht, wenn sie mir immer zu erklären versuchte, daß das 1000jährige Reich keine 1000 Jahre dauern würde… – und musikalisch die unteren Stufen auch nicht überschritten werden konnten, habe ich vorerst nicht bemerkt. Die Spielscharleitung hat mir vorgeschlagen, an der Abteilung für Volks- und Jugendmusik der Grazer Musikakademie zu studieren. Dieses Institut wurde gleich nach dem Anschluss geschaffen für musikalisch-ideologische Indoktrination … um das Politische habe ich mich nicht gekümmert … Mein großes Glück war, daß ich somit bei Franz Illenberger studieren konnte.“