Anselm Hüttenbrenner erhielt schon als Siebenjähriger ersten Klavier- und Gesangsunterricht beim damaligen Grazer Domorganisten Matthäus Grell. Nach zwei Jahren als Novize im Stift Rein, einer knapp 20 km nördlich von Graz gelegenen Zisterzienserabtei, nahm er in Wien ein Jurastudium auf und studierte parallel bei Anton Salieri Gesang und Komposition. Hier verband ihn bald eine enge, lebenslange Freundschaft mit einem anderen Salieri-Schüler, Franz Schubert. Nicht nur seinem Lehrer fiel seine umfassende musikalische Begabung auf, 1820 – als Sechsundzwanzigjähriger – wurde er „auswärtiges Ehrenmitglied“ des Musikvereines. Im Folgejahr zwang ihn der Tod des Vaters, Wien zu verlassen, nach Graz zurückzukehren und die Verwaltung der väterlichen Güter zu übernehmen. Trotz dieser Tätigkeit fand er noch Zeit für ein umfangreiches musikalisches Schaffen, so umfangreich, dass er heute als der bedeutendste steirische Komponist der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts angesehen werden kann. Zwischen 1824 und 1839 war er, mit einer knapp zweijährigen Unterbrechung, Direktor des Steiermärkischen Musikvereins.

Die Missa Solemnis, deren Titelseite der autographen Partitur hier wiedergegeben ist, gehört zu den Werken seiner späten Kompositionsjahre. Als “feierliche Messe“ bezeichnet man die besonders festliche und umfangreiche Vertonung des Messamtes. Hüttenbrenner komponierte seine Missa Solemnis in f-Moll „zu Marburg im Frühling 1855“ für Graz, wo sie – wie Hüttenbrenner im Jahr darauf, am oberen Rand notiert (und dabei auch eine Folgeaufführung erwähnt), „am 8. Dez. 1855 zum ersten Mahle in der Domkirche zu Gratz aufgeführt“ wurde. Die Abfolge der einzelnen Teile wie die reiche Orchestrierung (wenngleich auch ohne Chor) – neben Streichern, 14 Bläser und Pauken – weisen das Werk als typische Missa Solemnis-Vertonung ihrer Zeit aus.